Anfang Mai beginnen in vielen Städten die Schützenfeste, welche heutzutage als Volksfest innerhalb der jeweiligen Gemeinden gesehen wird. Doch die Schützenfeste haben gar keine so friedliche Abstammung, und es ging oft gar nicht so ruhig zu innerhalb der Schützengilden. Dieselben hingen eng mit der Machtentwicklung der Städte zusammen, deren Besatzung und Wehr die Bürger bildeten. Diese mussten oft auf den Ruf der Sturmglocke zur Armbrust und zur Partisane greifen, um die Troßknechte der Edelleute von den Stadtmauern fernzuhalten.
Heutzutage schießen die Schützen anstatt wie früher nach dem Feind einmal im Jahr nach einem hölzernen Vogel oder nach einer Scheibe. Während die patrizischen Geschlechter Waffen und Rüstung der Ritter annahmen, wählten die übrigen, nach Zünften und Stadtvierteln geordneten Bürger andere Waffen, vornehmlich Bogen und Armbrust, und zur Übung bildeten sich Schützenvereine, in der damals üblichen Form von Gilden. Diese hatten Schützenhäuser und Schießbahnen, eine durch Beiträge und Vermächtnisse gegründete und unterhaltene Vereinskasse und hielten jedes Jahr Schützenfeste ab, welche für die Bürger bald dieselbe Bedeutung wie die Turniere für die Ritter gewannen.
Im 15. und 16. Jahrhundert war die Glanzzeit dieser Festlichkeiten und noch bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden sie groß gefeiert. Selbst Fürsten und Adlige hielten es nicht unter ihrer Würde, sich an den Festen zu beteiligen. Dort wurden Bündnisse geschlossen und befestigt, so dass dieselben eine politische Bedeutung erhielten. Mit der Erfindung des Schwarzpulvers wurden Gewehre eingeführt. Doch die Schützenvereine behielten trotzdem ihre alten Rechte bei und haben sich erhalten bis auf den heutigen Tag.
Heute ziehen in kleinen Städten die Schützen in ihren altmodischen Uniformen mit dem Federstutze und unter den Klängen militärischer Musik hinaus auf einen Platz vor der Stadt, um sich dort gleich den Ahnen im Schießen zu üben. Der beste Schütze ist wird zum König ernnant und wird gefeiert.
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